zwölf.

-geschichten-
in einer welt, die aus der zeit gefallen ist.
(teil 2)

es war nachmittag und die sonne verschwand langsam im meer. der blick ließ verzeihen. die frühe dunkelheit. die kälte. und alles andere auch.
er hatte sie an diesen ort gebracht. es war seine letzte idee. ein kleines stück hoffnung. sie hatte ihm einmal erzählt, wie sehr sie als kind das meer geliebt hatte. er war mit ihr jedoch nie dort gewesen. eines dieser dinge, die man immer vorhat, die ganz oben auf der liste stehen und sie trotzdem nie schafft. weil man sie immer wieder verschiebt. weil ja noch immer genug zeit für alles ist.
sie hatte wieder ihre dunklen tage gehabt. lange und extrem diesmal. also hatte er kurzentschlossen vorgestern das auto gepackt und war losgefahren. wenigstens konnte er so etwas tun und musste nicht tatenlos daneben stehen und zuschauen. wie sie sich langsam verlor. wie sie verschwand.

er hatte eine kleine pension direkt am strand gefunden. zu dieser jahreszeit war hier alles wie ausgestorben. nur einige wenige verirrten sich hierher. von ihrer veranda waren es nur wenige schritte bis zum meer. sie saß dort in einem alten schaukelstuhl, eingepackt in eine dicke decke und starrte zum horizont. seit dem frühstück schon. er ließ sie. sie war ganz ruhig und rührte sich nicht. das war immerhin besser als das weinen und zittern der letzten tagen.

er saß im stuhl neben ihr und las. ab und zu hielt er ihre hand. so saßen sie dort. bis die sonne ganz verschwunden war.
in den nächsten wochen glichen sich die tage. waren ereignislos und zogen träge ins land.
sie saß in ihrem stuhl und schaute aufs wasser. meer und wind. das war alles.
er konnte zum glück solange frei nehmen, wie er wollte. ein vorteil der selbstständigkeit. doch langsam fragte er sich trotzdem, ob das denn alles sinnvoll sei. was sie hier wollten. und ob es nicht besser wäre zurückzukehren.
doch dann kam dieser morgen. auf den ersten blick war nichts anders, als an allen morgenden zuvor. doch irgendetwas hatte sich verändert. eine winzige verschiebung in zeit und raum. als würde ihr haus heute fünf zentimeter weiter rechts stehen. sie lächelte ihn an, als er sich zu ihr drehte. und zum ersten mal, vielleicht seit jahren, hatte er das gefühl, dass sie ihn wieder wirklich sah. der unsichtbare schleier war nicht mehr da. sie war müde und fühlte sich schlapp. aber trotzdem gut. wie nach einer langen grippe, wenn der körper noch ein paar tage braucht. sie ging in ihrem nachthemd und einem becher kaffee in der hand die verandatreppe hinab. sie stand jetzt mit den zehenspitzen im wasser und drehte sich zu ihm um. lachend.

“die welt ist rund, und was manchmal wie das ende erscheint, ist in wirklichkeit ein anfang.” ivy baker

1 Antwort zu „zwölf.“


  1. 1 1enzo 5. Juli 2011 um 22:16

    … hat mich berührt….


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